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Zur Geschichte von Schloss Runkelstein Die älteste Burganlage, von der noch ein bedeutender baulicher Bestand erhalten ist, wurde ab dem Jahre 1237 durch Angehörige der Familie von Wangen errichtet. Die Brüder Friedrich und Beral von Wangen und damit auch die Burg Runkelstein gehörten zum politischen Umfeld des Fürstbischofs von Trient. Der am Eingang des Sarntals gelegenen Porphyrfelsen wurde runchenstayn genannt. Die strategische wichtige Lage der Burg erlaubte es, die Verbindung von der Handelsstadt Bozen über das Sarntal nach Norden zu kontrollieren. Deshalb wurde die Familie von Wangen auch in die Auseinandersetzungen zwischen dem Bischof Heinrich von Trient und dem Grafen Meinhard II. von Tirol verwickelt, die den Bozner Raum in der zweiten Hälfte des 13. Jh. erschütterten. So wurde die Burg Runkelstein 1276/77 belagert und von den gräflichen Truppen eingenommen. Die entmachteten Herren von Wangen erhielten ihren Besitz bis zu ihrem Aussterben nicht mehr zurück und Runkelstein wurde von den Landesfürsten verschiedenen Familien zu Lehen gegeben. Besonders interessant war dabei, dass Gottschalk Knoger die Burg zu Beginn des 14. Jh. besaß und vermutlich auch bedeutende bauliche Veränderungen vornehmen lies. Knoger war als Vertrauter Meinhards II. aus der Leibeigenschaft bis zum landesfürstlichen Richter von Enn aufgestiegen. Im Jahre 1385 erwarben das Brüderpaar
Franz und Niklaus Vintler die Burganlage. Sie waren reiche Bozner Kaufleute,
die zum engsten Kreis der Tiroler Habsburger gehörten. Niklaus war
zu einem bedeutenden Vertrauensmann, Finanzier und vor allem Ratgeber
des Tiroler Landesfürsten Herzog Leopold III. aufgestiegen. Durch
den Kauf einer Burg konnten die Vintler ihr Selbstbewußtsein ausdrücken
und sich mittels ihres Reichtums der adligen Welt nähern. In Ihrem
Lebensstil wollten sie mit dem des Adels konkurrieren, weshalb sie die
Burg mit den heute noch erhaltenen profanen Fresken ausschmücken
liesen. Heutzutage stellen die Fresken von Schloss Runkelstein den größten
erhaltenen profanen Freskenzyklus des Mittelalters dar. Ab 1390 errichteten die Handwerker unter der Anleitung von Niklaus Vintler das sogenannte Sommerhaus und liesen es Innen wie Außen mit Fresken ausmalen. Die Themen im Sommerhaus waren durchaus literarischer Natur. An den Wänden wurden die Geschichten um König Arthurs Tafelrunde, um Tristan und Isolde, Garel von Blühenden Tal und Wigalois bildlich erzählt. Ebenso wurde der Bereich des nördlichen Innenhofes mit der Kaiserreihe geschmückt; Darstellungen von ursprünglich einhundert Kaisern in Medaillons, deren Reste noch heute an der Südseite der Bogenhalle unter dem hölzernen Söller zu sehen sind. Nachdem 1406 Herzog Friedrich mit der leeren Tasche in Tirol die Regierung angetreten hatte, änderte sich die Politik zu Ungunsten der Vintler. Friedrich sah sich einer starken Adelsoposition gegenüber, die sich in der Gesellschaft des Elefanten und der des Falken organisiert hatte. Aus diesen politischen Auseinandersetzungen konnten sich auch die Vintler nicht heraus halten. Niklaus Vintler, das Oberhaupt der Familie und der gesellschaftlich bedeutendere der beiden Brüder, verstarb 1413. Die Familie der Vintler besass Runkelstein noch einige Jahre bis in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts die Burg in die Hände Sigmunds des Münzreichen gelangte. Von Erzherzog Sigmund dem Münzreichen ging die Burg an den letzten Ritter Kaiser Maximilian über, der die Fresken durch den Maler Max Reichlich der Mode der Zeit entsprechend erneuern lies. Maximilian nutzte das Sommerhaus zum Residieren und lies seine heraldischen Zeichen und die seiner ersten Frau, Maria von Burgund auf dem Kamin des Garel-Zimmers aufmalen. Da Kaiser Maximilian nicht dauernd auf Runkelstein anwesend sein konnte, übergab er 1493 seinem Kanzler Cyprian von Northeim und 1500 Georg von Frundsberg dem Vater der Landsknechte die Burghut. 1520 kam es zu einer verheerenden Schießpulverexplosion im Südteil der Burg, welche zur Folge hatte, dass die Toranlage und Teile der Ringmauer erneuert werden mußten. Der Bergfried wurde ebenfalls beschädigt. Ab 1538 befand sich die Burg im Besitz der Grafen von Liechtenstein-Kastelkorn. Diese Familie kümmerte sich noch um den Erhalt der Burg und lies bauliche Veränderungen im Westpalas vornehmen. 1672 brannte der gesamte östliche Teil der Burg in Folge eines Blitzschlages aus und wurde nicht wieder hergestellt. Im Verlaufe des 18. Jahrhunderts sank das Bauwerk mehr und mehr zu einer Ruine herab. Das 19. Jahrhundert bedeutete für Runkelstein eine Wiederentdeckung. Josef von Görres erkannte als erster den hohen künstlerischen Wert der Malereien und machte König Ludwig I. von Bayern auf diese aufmerksam. Auf seine Veranlassung hin studierten und kopierten Hofarchitekten und Hofmaler die Burg Runkelstein und brachten Zeichnung davon mit nach München. Im Jahre 1868 stürzten Teile der Nordwand der Burg in die Tiefe und rissen aus dem Freskenbestand des Sommerhauses große Lücken. In einer spektakulären Aktion wurden die verbliebenen Fresken abgenommen und an der 1870 neu errichteten Nordwand appliziert. Nachdem Erzherzog Johann Salvator Runkelstein 1881 vom Hochstift Trient erworben hatte, schenkte er es 1883 Kaiser Franz Joseph. Dieser verpflichtete den Wiener Oberbaurat Friedrich von Schmidt für die Instandsetzung der Burganlage, welche von 1884 bis 1888 währten. In dieser Zeit lies von Schmidt den Westpalas in seinem Bestand sichern, erneuerte jedoch den Ostpalas weitgehend. Schließlich wurde auch der um 1850 eingestürzte Bergfried durch einen völligen Neubau ersetzt. Damit war, nach dem Verständnis des 19. Jahrhunderts, dem Bauwerk sein stilgerechtes Aussehen zurückgegeben. Runkelstein ist damit nicht nur ein Ensemble mittelalterlicher Bauteile, sondern auch ein Denkmal für Restaurierungskonzepte des 19. Jahrhunderts. Mit der feierlichen Übertragung der
Burg an die Bozner Bürger im Jahre 1893, bereicherte Kaiser Franz
Joseph die Stadt um eine wichtige touristische Attraktion. |
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